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Stand: 18.05.2017

Pressemitteilung

Beispiel für gelungene Integration

UmasAnja Benndorf / Caritasverband für die Diözese Speye

Im Caritas-Förderzentrum St. Rafael finden Jugendliche, die vor Krieg und Gewalt fliehen mussten, eine neue Heimat. Offiziell werden die jungen Flüchtlinge unter 18 Jahren "unbegleitete minderjährige Ausländer", kurz Uma, genannt. Vor zwei Jahren hat St. Rafael mehrere Außenwohngruppen in Grünstadt und Kirchheim für insgesamt 15 junge Männer eingerichtet,  die inzwischen Deutsch sprechen und ihre berufliche Zukunft planen.

Es sei ein positives Beispiel für gelungene Integration, bescheinigte Mitarbeiter Patrick Maas vom Kreisjugend- und Sozialamt Bad Dürkheim dem Förderzentrum. Maas übernimmt im Gebiet seiner Behörde die Vormundschaften für minderjährige Ausländer und ist daher auch der Vormund für die in St. Rafael betreuten jungen Männer. Ein Teil hat einen Schulabschluss und tritt jetzt ins Arbeitsleben ein.

Was die Jugendlichen in ihrer Heimat und auf der Flucht nach Deutschland erlebt haben, sind schreckliche Erfahrungen. Der 17-jährige Hassan aus Afghanistan erzählt: "Mein Zwillingsbruder Hussein und ich waren fünf Jahre alt, als unser Vater erschossen wurde und wir mit Mutter und weiteren Geschwistern in den Iran geflohen sind." Doch auch dort können die Flüchtlinge nicht in Frieden leben. Sein Volk werde benachteiligt, berichtet Hassan.

Den Iran hat Hassan nach zehn Jahren verlassen. Er wollte seinem Bruder Hussein und dem gleichaltrigen Cousin Saefullah folgen, die bereits geflüchtet waren. Wenn er davon erzählt, erinnert er sich an lange, beschwerliche Fußmärsche zusammen mit vielen Leidensgenossen auf unsicheren Wegen bei Minusgraden im Gebirge an der Grenze zur Türkei. Er habe dabei noch Kinder von anderen Familien getragen, zusätzlich zu seinem Rucksack. Zudem musste die Gruppe eine nächtliche Fahrt auf einem überfüllten Schlauchboot hinter sich bringen. Dabei empfand er große Angst. Nach 25 Tagen Flucht erreichte er schließlich Anfang  2016 München. Nach seiner Ankunft in Deutschland versuchte er, seinen Bruder zu finden. Auf Umwegen über Berlin landete Hassan, der damals erst 15 Jahre alt war, schließlich in Altleiningen, wo er seinen Bruder Hussein treffen konnte.  "Am 1. April 2016 konnten sich Hassan und Hussein um den Hals fallen. Das war eine Riesenfreude", erinnert sich die zuständige Bereichsleiterin Andrea Knerr-Gütermann. Sie hatte einen nicht unwesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass die beiden Brüder zusammen kamen.

Inzwischen haben die Zwillingsbrüder ihre mittlere Reife in der Tasche. Hassan hat im August eine Ausbildung als Elektrotechniker in Weisenheim am Sand begonnen, und Hussein hat eine Lehrstelle als Tischler in Ludwigshafen gefunden.  Und ihr Cousin Saefullah wird zum Fachlageristen ausgebildet. Die Grünstadter Firma, bei der der Jugendliche ein Praktikum absolviert hat, hatte ihm aufgrund seiner Leistung eine Ausbildungsstelle angeboten.

Ein weiterer junger Mann ist Jabir aus Somalia, der aufgrund fehlender Sprachkenntnisse den Hauptschulabschluss nicht erreichen konnte. Dafür engagiert er sich schon seit dem vergangenen Jahr in seinem Praktikum in einem Seniorenheim in Grünstadt. Das Ziel des 18-Jährigen ist es, nach einem Deutschkurs eine Fachschule für Altenpflegehelfer zu besuchen

Ein junger Mann, der von Andrea Knerr-Gütermann betreut wird, wird sogar Medizin studieren. Sein Abitur aus seiner Heimat Syrien sei anerkannt worden. Zudem hat er die erforderlichen Deutsch-Kenntnisse vorweisen können und ein Stipendium erhalten. Inzwischen ist der 20-Jährge schon an der Uni in Mainz.

Zurzeit werden 15 "Unbegleitete minderjährige Ausländer" (Uma) - zwölf Afghanen, ein Syrer, ein Somalier und ein Jugendlicher von der Elfenbeinküste - im Caritas-Förderzentrum St. Rafael, Altleiningen, betreut. Die älteren Umas leben in Kirchheim in Einrichtungen für Betreutes Wohnen. Neun junge Männer sind bereits volljährig, was bedeutet, dass die Fürsorgepflicht der Einrichtung endet. Doch sie könnten auf bewilligte Anträge hin weiter untergebracht werden. Ihnen wird nach Paragraph 41 Sozialgesetzbuch Hilfe für die Persönlichkeitsentwicklung und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gewährt. Ein Afghane wurde von einer Pflegefamilie aufgenommen. Die übrigen nicht volljährigen Asylbewerber sind in Kirchheim und Grünstadt in vollstationären integrativen Wohngemeinschaften untergebracht. Das Miteinander der Heranwachsenden aus verschiedenen Ländern habe sich bewährt, denn die Männer lernen voneinander, berichtet Patrick Maas vom Kreisjugendamt.

Text und Fotos: Anja Benndorf für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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