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Stand: 18.05.2017

Pressemitteilung

Enormes Wir-Gefühl

Mitarbeiterchor

 „Take Me As I Am“ – ein Lied mit einem passenderen Titel hätte man sich für den liturgischen Teil des Jubiläumsfestes des Caritas-Förderzentrums St. Rafael kaum aussuchen können. Am Freitag feierte die Jugendhilfeeinrichtung in Altleiningen ihr 50-jähriges Bestehen. Vom  Kreisbeigeordneten und Sozialdezernenten Claus Potje wurde St. Rafael als „ein seit langem guter und zuverlässiger Partner“ gelobt.

In den unterschiedlichen Bereichen, beispielsweise in der Schulsozialarbeit, bei den Frühen Hilfen oder bei der Betreuung von unbegleiteten männlichen Ausländern (Uma), gebe es eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Potje erklärte, dass die Jugendhilfe immer mehr an Bedeutung gewinne, da sozial-emotionale Auffälligkeiten zunähmen. 150 Fachkräfte kümmern sich im St. Rafael gegenwärtig um 75 Kinder und Jugendliche, die vollstationär aufgenommen sind, 27 im teilstationären und zahlreiche im ambulanten Sektor.

Zirkusaufführung

Etwa 80 waren – zusammen mit Jungen und Mädchen aus der Grünstadter Käthe-Kollwitz-Schule mit Förderschwerpunkt Lernen – eingebunden in ein Projekt mit dem Zirkus Zappzarap. Eine Woche lang hatten die Sechs- bis 16-Jährigen verschiedene Kunststücke einstudiert, die sie beim Jubiläumsfest und zweimal am darauffolgenden Tag aufführten. „Es ist ein Wahnsinn, wie die Kinder und Jugendlichen an sich gewachsen sind“, schwärmte Schulleiterin Marion Poh. So ein Projekt fördere sämtliche sozial-emotionalen Kompetenzen, die man im Leben brauche.

„Ich habe gehört, dass ihr fleißig geübt habt, um eure Talente zu mehren“, sagte Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer. Der Geistliche hinterfragte das Wort Gottes, das den Matthäus-Effekt („wer hat, dem wird gegeben“) thematisierte. „Talent“ sei zu Jesus' Zeiten ein Begriff für eine große Menge Geld gewesen, heute stehe es für individuelle Fähigkeiten, erklärte er. Jeder, auch derjenige, der nicht reich damit gesegnet ist, sollte sich darum bemühen, aus seinen Begabungen etwas zu machen, betonte Hundemer.

Marianne und Kaspar Baechlin

Ein gutes Konzept zur Förderung der Talente haben Kaspar und Marianne Baechlin entwickelt. Das Schweizer Ehepaar hat Anfang der 1990er Jahre den aus der systemischen Familientherapie stammenden lösungsorientierten Ansatz (LOA) von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg auf die Erziehungslehre übertragen. 1996 – damals war Stefan Mechenbier Einrichtungsleiter – wurde dieses Konzept im bis dahin heilpädagogisch orientierten St. Rafael eingeführt. Lange Zeit schulten die Baechlins das Personal.

Die Gründer der Werkschule „Grundhof“ in Winterthur erinnerten an die autoritäre „schwarze Pädagogik“, die noch in den 1980ern vorherrschte. Marianne Baechlin beschrieb sehr eindrücklich den Unterschied zum LOA. Das negative Menschenbild gehe davon aus, dass das Kind träge, lustlos, faul und asozial sei, was sich durch das Abnehmen von Entscheidungen, die Einengung von Handlungsspielräumen und das Verhängen von Strafen selbst bestätigt. „Geht man aber davon aus, dass ein junger Mensch von Natur aus ein neugieriges, interessiertes soziales Wesen ist, lassen sich Fähigkeiten und eine optimistische Einstellung fördern“, sagte sie. Statt mit dem Klienten zu schimpfen, weil er den Erwartungen nicht entspricht, sollte man sein Verhalten hinterfragen und ihm aktive Hilfe anbieten, „auch wenn die erste Reaktion einem zunächst näher ist“, so Baechlin unter tosendem Applaus der Zirkusbesucher.

Das Zelt sei von Eltern, Kindern, Mitarbeitern und weiteren Freiwilligen bei strömendem Regen aufgebaut worden, nannte Einrichtungsleiter Robert Kaesmacher ein Beispiel für den Gemeinschaftssinn im St. Rafael. Sichtbares Zeichen des enormen Wir-Gefühls sei auch die  fortwährende Weitergabe des LOA. Er sprach von einer selbst entwickelten Corporate Identity.

In den vergangenen fünf Jahrzehnten seien im Altleininger Caritas-Förderzentrum 819 Jungen und Mädchen von 405 Fachkräften betreut worden, berichtete er. Es sei aber nicht die Menge der bewältigten Arbeit entscheidend, sagte Schulleiterin Marion Poh, sondern die Liebe, mit der man etwas tue. „Sehr wichtig ist uns, die Kinder beim Erreichen ihrer Ziele zu unterstützen“, betonte sie.

Pfarrer Joachim Voss rief den Feiernden in seinem Grußwort zu: „Macht weiter so!“ Seit 1. September ist St. Rafael zusammen mit der Gottlieb-Wenz-Schule in Haßloch zum Förder- und Beratungszentrum (FBZ) erhoben worden. Ziel ist es, Jungen und Mädchen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf verstärkt an Schwerpunktschulen  statt an Förderschulen zu unterrichten und die Inklusionsrate zu steigern.

Herausgegeben vom Caritasverband für die Diözese Speyer
Text und Fotos: Anja Benndorf

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